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Der Theaterkanzler

Was haben ein Theaterintendant und die Bundeskanzlerin gemeinsam? Im Allgemeinen nichts, in Trier leider sehr viel. Beide ignorieren die Zeichen der Zeit und beweisen hartnäckig Sitzfleisch. Unfähig, die eigene Niederlage anzuerkennen und die richtigen Konsequenzen zu ziehen, nicht willens, die große Bühne zu verlassen. Verrannt haben sich beide, und beide gestehen sich das entweder nicht ein, oder sie bemerken es tatsächlich nicht. Die Folgen sind, in Merkels Fall für Deutschland, und in Sibelius’ für Trier, verheerend. 

Rückblende: Im Sommer 2015 sitzt die AfD-Fraktion im Rathaus zusammen und überlegt, was die Berufung des Karl Sibelius ans Stadttheater Trier für die Stadt bedeutet. Man recherchiert, sieht sich an, was Sibelius in Eggenfelden leistete, oder besser, sich so alles geleistet hat. AfD-Sympathisanten aus Eggenfelden melden sich, weisen auf die desaströsen Zahlen vor Ort hin. Die Fraktion überprüft das, die Bilanz ist erschreckend: Sibelius hat ein großes Haushaltsdefizit verursacht, am “Theater an der Rott” ist man froh, dass er sich in Richtung Trier verabschiedet hat. Und so mahnt die AfD schon frühzeitig: Auf die Wirtschaftlichkeit am Stadttheater müsse man ein Auge haben. Die Mahnung verhallt, der übliche Reflex macht sich bemerkbar: Die “rechtspopulistische AfD” hat es sich nicht zu erlauben, sich in Kulturfragen zu äußern. Stattdessen zahlt man dem Intendanten ein Gehalt, das höher ist als das des Oberbürgermeisters.

AfD-Fraktion warnte frühzeitig

Wieder einige Zeit später dann die ersten Kritiken: Von auf der Bühne masturbierenden, urinierenden und sich erbrechenden Schauspielern ist die Rede, Gäste verlassen Vorstellungen frühzeitig, abermals meldet sich die AfD zu Wort, mahnt zum wiederholten Male an, dass die Personalie Sibelius den Ruf des Stadttheaters gefährden und er nicht sachgemäß mit Steuergeldern umgehen würde, und wieder: Nichts passiert, böse AfD, das Übliche eben. Die anderen Fraktionen schweigen sich aus.

Oberbürgermeister zieht Reißleine: Auch andere städtische Bereiche von Haushaltssperre betroffen 

So könnte man die Geschichte nun fortsetzen bis zum heutigen Tag, an dem Oberbürgermeister Leibe die Reißleine gezogen hat, ja ziehen musste. Insgesamt 3,3 Millionen Euro Verlust innerhalb von nur 9 Monaten, das ist die traurige Bilanz des Karl Sibelius. Waren es im letzten Jahr “nur” 1,3 Millionen, sind es in diesem, und nur in der ersten Jahreshälfte, bereits 2 Millionen Euro. Das zumindest hört man aus dem Stadtvorstand. Sibelius darf nun finanzielle Entscheidungen nicht mehr selbst treffen, keine Personalverträge mehr abschließen, das “Vieraugen”-Prinzip hat Einzug gehalten ins Kulturdezernat. Das Ausmaß des angerichteten Schadens ist dennoch erschütternd: Aufgrund Sibelius’ Wirken musste eine Haushaltssperre verhängt werden. Betroffen ist davon nicht nur das Theater, sondern sind alle “freiwilligen Ausgaben” der Stadt Trier. Darunter fällt beispielsweise die Pflege der Grünflächen, oder auch mögliche Zuschüsse für Sportvereine. Diese Leistungen und viele andere: Bis auf Weiteres gestrichen, dank des Defizits am Stadttheater.

Urplötzlich entdecken die anderen Parteien die Problematik

Hätte man schon im September 2015 auf die AfD gehört und zumindest ein Auge auf die Finanzplanung des Intendanten geworfen, wäre all das vermieden worden. Doch das hat man nicht, im Gegenteil. Erst jetzt, nachdem das Kind so tief in den Brunnen fiel, dass nun nach oben hin kein Tageslicht mehr wahrnehmbar ist, wollen es alle besser gewusst haben. Die FWG erkennt aus dem Nichts, dass das Geschehen am Stadttheater problematisch war, die Grünen entdecken urplötzlich die Transparenz für sich. Jetzt, da Sibelius in seinem eigenen Drama gefangen zu sein scheint und keine Rettung mehr in Sicht ist, lassen ihn seine Unterstützer von einst fallen und wollen ihn nicht mehr kennen.

Unabhängig davon, dass Sibelius als Intendant nicht mehr tragbar ist: Will er sich noch etwas Würde bewahren, dann sollte für ihn in diesen Tagen der letzte Vorhang am Stadttheater fallen, am besten freiwillig. Und mit dieser Einsicht hätte er der Kanzlerin sogar etwas voraus.

Mario Hau
stellvertretender Kreisvorsitzender AfD Trier
mario.hau@afdtrier.de