Wie der „Trierische Volksfreund“ berichtet hat, plant Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) bis zu 250 Grundschulen in Rheinland-Pfalz in den kommenden zwei Schuljahren mit jeweils 7500 Euro für digitale Technik auszustatten. Neben multimedialen Tafeln sollen vor allem auch Tablet-Computer für den Einsatz im Unterricht angeschafft werden. Dazu erklärt der Trierer Landtagsabgeordnete und frühere Lehrer Michael Frisch (AfD):

„Natürlich dürfen sich unsere Schulen dem technischen Fortschritt nicht verschließen. In einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft müssen Kinder und Jugendliche grundlegende Kompetenzen auch im Umgang mit Computern und ähnlichen Medien erlernen. Mit Schreib- und Kalkulationsprogrammen, Präsentationssoftware und dem Erstellen von Algorithmen werden im Unterricht wichtige Fähigkeiten vermittelt, die für das spätere Leben mittlerweile unverzichtbar sind.

Die jetzige Initiative der Landesregierung aber zielt auf mehr. Sie will mit Hilfe von Tablets ein selbstgesteuertes und individuelles Lernen mit digitalen Medien im Fachunterricht. Das heißt im Klartext nichts anderes, als dass schon Grundschulkinder in allen Fächern überwiegend am Computer arbeiten. Die Folge davon wäre eine vollkommen veränderte Unterrichtskultur, der ich mit erheblichen Bedenken gegenüber stehe. Es gibt zahlreiche Untersuchungen, wonach die Leistungen der Schüler durch den Einsatz von Elektronik nicht gesteigert, sondern sogar vermindert werden. Computer im Klassenzimmer machen das Lernen und die Noten nicht besser, sondern lenken ab und vermindern Kreativität und Konzentration. Leidtragende sind vor allem die schwachen Schüler. Gerade denjenigen, die zu Hause in Spracharmut und mit gleichzeitiger Reizinflation zwischen Playstation, Fernseher und Smartphone aufwachsen, muss Schule eine Alternative bieten. Lernen geschieht vor allem in schützenden sozialen Beziehungen zwischen den Generationen. Wenn Maschinen zunehmend die Stelle von Lehrern übernehmen, wird die Schule im Wortsinne unmenschlich.

Nicht umsonst weist der Deutsche Lehrerverband in einer Pressemitteilung vom 22. Mai 2017 darauf hin, das im Mai veröffentlichte Gutachten „Bildung 2030“ bestätige‚ dass der zu frühe schulische Einsatz von Computern schädlich sein könne. Auch fast alle Kinderärzte betonen, der übermäßige Gebrauch der neuen Medien störe die körperliche und kognitive Entwicklung von Kindern und mache sie mitunter sogar krank. Und der bekannte Hirnforscher Manfred Spitzer bezeichnet die Pläne zu einer stärkeren Digitalisierung an den Schulen gar als eine „Verdummungsmaßnahme“ und warnt vor einer neuen Bildungskatastrophe und späterer „digitaler Demenz“.

Ich halte den großflächigen Einsatz digitaler Technik an Grundschulen eindeutig für verfrüht. In den ersten vier Schuljahren sollte eine solide Grundbildung vermitteln werden: lesen, schreiben, rechnen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Mit Smartphones zu hantieren, bevor diese Kulturtechniken sicher beherrscht werden, ist falsch. Profitieren werden davon nur die Konzerne, die hier durch den Verkauf einer ständig zu erneuernden Hard- und Software ein Riesengeschäft wittern. Wir sollten verhindern, dass unsere Kinder zum Opfer solcher Lobby-Interessen werden.“