In einer Anfrage an das Kulturdezernat hat die AfD-Fraktion im Stadtrat Trier die Entwicklung der Besucherzahlen des Stadttheaters Trier ermittelt. Außerdem stand die Frage im Raum, ob und warum das Theater einen finanziellen Mehrbedarf von 2 Millionen Euro haben könnte.

“Die Antwort des Kulturdezernats spricht eine klare Sprache”, so der Fraktionsvorsitzende Michael Frisch. “Vergleicht man die Besucherzahlen seit Beginn der Wirkungszeit von Karl Sibelius mit dem Vorjahreszeitraum, in dem noch Gerhard Weber die Intendanz innehatte, ergibt sich ein Besucherrückgang von mehr als 20%.”

Gegenübergestellt wurden die Besucherzahlen eines halben Jahres. In den Bereichen Oper, Operette, Schauspiel, Musical, Tanz und Konzert erreichte das Theater vom September 2014 bis zum März 2015 insgesamt 47701 Menschen. Nach der Übernahme der Intendanz durch Sibelius fanden im gleichen Zeitraum, also von September 2015 bis zum März 2016, nur noch 37770 Gäste ins Theater.

Dazu Michael Frisch: “Angesichts der Pläne, das Theater im Rahmen einer Sanierung oder eines Neubaus zu vergrößern oder es gar auf einen zweiten Standort zu erweitern, stellt sich die berechtigte Frage, woher der Intendant den Optimismus nimmt, die Bühnen vor entsprechend großem Publikum bespielen zu können.” “Natürlich muss man einer neuen Leitung etwas Zeit einräumen, sich im Theaterbetrieb einzufinden,” so Frisch weiter. Ein Rückgang von mehr als 20% sei damit “aber nicht erklärbar.”

Als Generalintendant mit umfassender Zuständigkeit für künstlerische, kaufmännische und personelle Belange trage Sibelius “auch die finanzielle Verantwortung für Gelder, die ausschließlich von den Bürgern der Stadt und des Landes Rheinland-Pfalz bereitgestellt würden.” Dieser Verantwortung müsse er gerecht werden, selbst wenn das mit seinem künstlerischen Anspruch nicht immer kompatibel sei.

Dass offen darüber nachgedacht wurde, den Etat in der laufenden Spielzeit um 2 Millionen Euro aufzustocken, bezeichnet Frisch angesichts der Entwicklung der Besucherzahlen als vollkommen unverständlich: “Sinkendes Publikumsinteresse bedeutet gleichzeitig auch sinkende Einnahmen.” Die Lücke zwischen dem, was das Theater selbst erwirtschafte und durch Fördermittel finanziert werden müsse, sei bereits jetzt unverantwortlich groß. Ob nun Mittel zur Stopfung finanzieller Löcher oder zur Aufstockung des Personaletats verwendet würden, sei unerheblich. “Beides ist nicht mit dem Ziel vereinbar, die Kosten angesichts der Überschuldung der Stadt zu senken.”

Die Zahlen des Dezernats:
anfrage-theaterbesucher-1 anfrage-theaterbesucher-2