Land unter am Stadttheater?

Land unter am Stadttheater?

Schon an seiner alten Wirkungsstätte in Eggenfelden, dem “Theater an der Rott”, hinterließ der Intendant des Trierer Stadttheater, Dr. Karl Sibelius, einen finanziellen Scherbenhaufen: Statt der eingeplanten knapp 700.000 Euro verprasste er 24 Prozent mehr Mittel, am Ende entstanden dem Landkreis rund 865.000 Euro Kosten für 2014. Und setzte, ähnlich wie in Trier, vor allem auf nackte Haut auf der Bühne, was zumindest in Eggenfelden nicht für steigende Besucherzahlen sorgen konnte.

Die AfD-Fraktion im Stadtrat Trier wollte nun wissen, wie es nach einem halben Jahr “Sibelius” um das Stadttheater bestellt ist. Nachdem das Prestige-Projekt “NeroHero” mangels Sponsoren aufgegeben werden musste, wohl weil kein künstlerisches Konzept vorlag und Sibelius abermals hauptsächlich auf nackte Haut als Stilmittel setzte, munkelte man in Theaterkreisen, es würden 2 Millionen Euro zusätzlich in der laufenden Spielzeit benötigt. Außerdem wurde ein Rückgang der Besucherzahlen angedeutet. Zeit also, eine entsprechende Anfrage zu stellen.

6 Monate Sibelius: 20% weniger Besucher

Die von Kulturdezernent Egger übermittelten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Demnach verzeichnete das Stadttheater Trier unter Führung Gerhard Webers vom 01.09.2014 bis zum 31.03.2015 insgesamt 47701 Besucher. Zwischen dem 01.09.2015 und dem 31.03.2016, und damit in der Wirkungszeit Sibelius’, lag die Zahl der Besucher bei nur noch 37770, was einem Rückgang von 20,82% entspricht. Gegenübergestellt wurden die Sparten Oper, Operette, Schauspiel, Musical, Tanz und Konzert. Der Bereich “Kinder- und Jugend” wurde insgesamt nicht berücksichtigt, da die hier ebenfalls sinkenden Zahlen unter anderem durch eine Kooperation mit dem Philharmonischen Orchester begründet sind, weshalb statt 40 nur 25 Vorstellungen des “Weihnachtsmärchens” stattfinden konnten.

Wollte Sibelius 2 Millionen Euro mehr für Personal?

Klick aufs Bild: Leserbriefe im VolksfreundAuch die Annahme, das Theater habe einen zusätzlichen Bedarf von 2 Millionen Euro, bestätigt das Kulturdezernat – zumindest teilweise. Demnach habe es “interne Überlegungen” gegeben, eine “wünschenswerte optimale Personalaufstockung” zu realisieren. Diese Überlegungen würden jedoch nicht mehr weiterverfolgt, da das Theater derzeit einen Wirtschaftsplan für die Gründung einer AöR (Anstalt des öffentlichen Rechts) erstelle.

Nackte Haut und Skandal-Theater: Marketing, das nicht mehr funktioniert

Die Gründe für den Besucherrückgang sind vermutlich vielschichtiger, als sich das auf den ersten Blick erahnen lässt. Dennoch ist es kein Geheimnis, dass die Zeiten, in denen nackte Haut auf der Bühne für Furore sorgte, längst vorbei sind. Entsprechend fielen die Reaktionen der Theaterbesucher bisher aus: Diejenigen, die ihrem Ärger in Leserbriefen Luft machten, zeigten sich regelrecht angewidert. Gäste verließen die Vorstellung vorzeitig, und selbst der Marketing-Laie weiß: Der Kunde ist König. Und ein unzufriedener Kunde ist ein größerer Multiplikator, als ein zufriedener Kunde. Ein wirtschaftliches Prinzip, über das Karl Sibelius erhaben ist. Schließlich produziert er nicht in Zahlen zu messende Kunst, und dass der Steuerzahler hier am Ende die Zeche zahlt, ist da zweitrangig.

Die Zahlen des Kulturdezernats im Überblick:
(Nicht berücksichtigt wurden aus o.g. Gründen die hier übermittelten Zahlen zum Kinder- & Jugendtheater)

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Mario Hau
mario.hau@alternative-rlp.de