versagerAnfang April 2014 verabschiedete der Stadtrat Trier einstimmig, also mit den Stimmen von SPD, CDU, FDP, Grünen, Linken und FWG, die Einstellung des Intendanten Karl M. Sibelius. Schon damals war das Risiko absehbar, das mit dieser Personalie eingegangen wurde. Doch allen Kritikern zum Trotz und wissend, dass er schon in Eggenfelden ein dickes Minus verursachte, holte man den Österreicher ans Stadttheater, im Trierischen Volksfreund feierte man ihn gar als “zukunftssicher”. Und hielt ihm selbst dann noch die Treue, als das erste große Defizit am Horizont sichtbar wurde.

 Sibelius konnte ein in dieser Zusammensetzung großes Meinungskonglomerat hinter sich vereinen, und praktisch gesehen hätte der Intendant am Stadttheater Federn in die Luft blasen können. Stattdessen stellte er sich selbst, und das gleich mehrmals, öffentlich ein Bein und warf Kulturdezernent Thomas Egger mit Begeisterung einen Knüppel nach dem anderen zwischen selbige. Dafür müssten wir ihm eigentlich sogar dankbar sein, denn so offenbarte er, wie in Trier Politik gemacht wurde und immer noch wird. Denn an den Mechanismen hat sich nichts geändert, wie zuletzt in der Diskussion um die elektronische Gesundheitskarte zu beobachten war. 

Elektronische Gesundheitskarte: Anderes Thema, gleiche Mechanismen

Da sitzt beispielsweise der Stadtrat Thorsten Kretzer (Grüne) in der gemeinsamen Sitzung der zuständigen Ausschüsse, und zeigt sich “dankbar”, dass Trier im vergangenen Jahr viele Asylbewerber aufnehmen musste. Die bevorstehende Einführung der Karte sei wie ein “vorgezogenes Weihnachten”, und überhaupt sei die Asylpolitik positiv für Trier, schließlich hätte sie den “Wohnungsbau” angekurbelt. Für die Bürger in den betroffenen Stadtteilen, und jene in maroden Sozialwohnungen, muss das wie Hohn klingen.

Sven Teuber (SPD), der nicht nur Stadtrat ist, sondern auch noch in den Landtag rutschte, da Ministerpräsidentin Dreyer das von ihr erworbene Direktmandat an ihn weiterreichte, forderte eine “menschenwürdige Behandlung” der Asylbegehrenden. Nach seiner Auffassung ist es demnach menschenunwürdig, dass Asylbewerber, die hier eine kostenlose gesundheitliche Vollversorgung erwarten können, einmal im Quartal einen Behandlungsschein im Rathaus abholen müssen. Das muss man doch verstehen.

CDU zwischen allen Stühlen: XXL-Koalition im Rathaus

Die CDU sitzt, im Trierer Stadtrat besonders gut sichtbar, zwischen allen Stühlen. Und selbstverständlich wird sie der Gesundheitskarte, ohne erkennbare Gegenwehr, zustimmen. Im Landtag zur Opposition verdonnert, vor allem gegen SPD und Grüne, bildet sie in Trier nach wie vor eine schwarz-grüne Verantwortungsgemeinschaft. Und weil eine eindeutige Positionierung deshalb kaum noch möglich ist, verfügt unsere Stadt nun nicht über eine große, sondern eine XXL-Koalition, der sich auch die FWG verpflichtet sieht, ohne erkennbare Logik. Die FDP dürfte selbiges Problem wie die CDU haben: Als Anhängsel an der Ampel in Mainz, und aufgrund der Konstellation vor Ort, ist es ihr wohl kaum möglich, sich im Trierer Rathaus in irgendeiner Form abzuheben.

Verhängnisvollste Personalentscheidung der letzten zwei Jahrzehnte

 Zurück zum Ausgangspunkt: Dem Stadttheater. Gelernt hat keine Partei daraus, dass man vor zweieinhalb Jahren die wohl verhängnisvollste Personalentscheidung der letzten zwei Jahrzehnte getroffen hat. Nach wie vor köchelt im großen Rathaussaal der Einheitsbrei, und man kann gespannt sein, wann die nächste große Diskussion um die Gesundheitskarte beginnt. Vermutlich in ein bis zwei Jahren, wenn sich herausstellt, dass die Kosten dann doch sehr viel höher ausfallen als angenommen, und die Verwaltung berichtet, dass der Verwaltungsaufwand nur ungleich niedriger gegenüber dem jetzigen Verfahren ist.

 Auch dann werden sich die gleichen Parteien, die in 2014 mit ihrer Entscheidung sehenden Auges das heutige Chaos am Theater anrichteten, wieder als Retter in der Not aufspielen und damit übertünchen, dass es sie sind, die vollumfänglich versagt haben.

 Kommentar: 

Mario Hau
mario.hau@alternative-rlp.de